Mukoviszidose (Forumsdiskussion)

Diskussion im astrologix Forum 24.-27.04.2004


Früher Tod oder Krankheit im Horoskop

Liebe Foris,

seit einiger Zeit beschäftigt mich obengenanntes Thema.

Die Schwester meines Ex ist im 25.Lebensjahr verstorben, sie hatte Sonne,
Mond und Saturn im 8.Haus, gibt es da einen Zusammenhang zu Krankheit,
Karma oder frühem Tod?

Ihre Daten: 24.08.1976, 15:45Uhr, Las Palmas, Spanien
Name: Fatima.

Ich denke, die Daten dürfen veröffentlicht werden, da sie ja nicht mehr am Leben ist.

Für Anregungen zu diesem Thema wäre ich sehr dankbar.

Liebe Grüsse
Rene


Radix, Placidus (siderisch)

Hallo Rene,

da sprichst du ein großes Tabuthema an.

Solange ich mich nur mit der westlich-psychologischen Astrologie beschäftigt habe, begegnete mir immer die Aussage, der Tod sei in einem Horoskop nicht erkennbar und damit im eigentlichen Sinne auch nicht, ob jemand früh stirbt oder ein langes Leben führen wird. Psychologisch sei diese Kenntnis auch nicht sinnvoll, da uns die Angst vor dem Wissen bzw. vor dem Moment in unserem Leben zu sehr einschränkt, eine freie Entfaltung werde dadurch behindert.

Es macht uns im Westen zu große Angst, Konkretes über den Tod und gar seinen Zeitpunkt zu wissen. Wir haben den Tod aus unserem Leben verdrängt. Da macht es in der Tat auch wirklich keinen Sinn, im Horoskop herauslesen zu wollen, wann man stirbt, wenn man mit diesem Wissen nicht umgehen kann.

Für mich war allerdings schon seit früher Kindheit gewiss, dass ich vor meiner Geburt irgendwo „war“, und dass ich nach meinem Tod irgendwo „sein werde“ – dass es so gesehen gar keinen Tod gibt. Manche Menschen sehen in Geburt und Tod einander sehr ähnelnde Vorgänge, und vielleicht ist der Tod wirklich eine Geburt in ein neues Leben?! Mich hat schon immer interessiert, was es mit dem Tod auf sich hat, welchen Stellenwert er aus übergeordneter Sicht in meinem Leben einnimmt.

Seit ich mich mit der indischen Astrologie beschäftige, ändert sich meine Einstellung zum Thema Tod und speziell seinem Stellenwert in der Astrologie allmählich. Ich denke, er ist eines der wichtigsten Lebensthemen überhaupt, denn nichts ist sicherer außer, dass wir alle eines Tages sterben werden. Warum also diese Angst vor dem genauen Zeitpunkt? Könnten wir unser Leben dann nicht sinnvoller einrichten?

Die Inder können sich die Astrologie ohne den Tod gar nicht vorstellen, für sie gehört er ganz natürlich dazu. Er hat dort einen ganz anderen Stellenwert, möglicherweise weil dort das Bewusstsein herrscht, dass es sich um einen von vielen Toden handeln wird, den wir erleben werden.

Die indische Astrologie hat einige Faktoren in Horoskopen heraugeschält, die auf einen frühen Tod hinweisen können. Im Falle des Todes eines Neugeborenen oder in allerfrühester Kindheit heißen diese Regeln „Balarishta Yoga“.

Im vedischen Horoskop dieser jungen Frau (AC 6°55’ Schütze) treffen zwei Balarishta Yoga zu:

  • Der Mond steht im 8. Haus verbunden mit Saturn
  • Mond in Gandanta verbunden mit Saturn

Rashi D1 (siderisch)

Der Mond erhält in diesem Horoskop leider keine Unterstützung von hilfreichen, entlastenden Planeten, im Gegenteil steht er sogar nahe bei der Sonne kurz vor Neumond, was in der vedischen Astrologie sehr ungünstig ist. Von daher ist dies schon eine schwierige Situation. Seine Bedeutung wird dadurch unterstrichen, dass er als Atmakaraka ein Signifaktor für das Selbst ist (ähnlich wie auch die Sonne oder der AC-Herrscher).

Der AC-Herrscher Jupiter steht im 6. Haus und zeigt damit Schwierigkeiten, Hindernisse und auch Krankheit, mit der sich diese Persönlichkeit konfrontiert sieht. Dies wird dadurch verstärkt, dass er gleichzeitig als Gnatikaraka unabhängig von seiner Hausstellung die Themen Hindernisse, Probleme und Krankheit repräsentiert.

Andererseits hat sie eine starke Sonne im 9. Haus zusammen mit Venus, die jedoch Herrscherin des krankheitsbezüglichen 6. Hauses ist bzw. allgemein Schwierigkeiten und Probleme in diesen positiven Bereich des „Dharma“ bringt. Dharma könnte man als positive Lebensaufgabe übersetzen, eine Aufgabe/Forderung an uns, die es zu erfüllen gilt, um uns selbst zu verwirklichen. Dieser Bereich ist in gewisser Weise in seiner Entfaltung eingeschränkt, da er von zwei schwierigen Planeten „eingeschlossen“ wird: Saturn im 8. und Mars im 10. Haus. Mit 24 Jahren, also im 25. Lebensjahr, befand sie sich in einer Venus/Saturn-Phase. Saturn ist hier sehr kritisch zu sehen, da er den Mond verletzt und das zweifache Balarishta-Yoga auslöst. Venus ist die Herrscherin des AC-Herrscher Jupiter, sie ist für den Schütze-AC gleichzeitig ein schwierig zu handhabender Planet, der mit Krankheiten und zu überwindenden Problemen zusammenhängt.

Weißt du, warum diese Frau so früh gestorben ist? Im Horoskop weist einiges auf eine zugrundeliegende Krankheit hin. Mit Rahu in 11 waren andererseits auch starke Regenerationskräfte gegeben (außer, es war eine psychische Krankheit). Die Planeten-Phase mit 24 Jahren, speziell die Venus/Saturn/Venus-Phase von Dezember 2000 bis Juni 2001 bot sehr wenig Entlastung von den Schwierigkeiten. Falls es eine angeborene Krankheit war (worauf ebenfalls einige Hinweise zu finden wären), hatte sie mit den Lungen zu tun (starke Verschleimung und Entzündung, z.B. Mukoviszidose)?

Im westlichen Horoskop sehe ich mit GO-Häusern gleichzeitig alle drei Persönlichkeitsplaneten Sonne, Mond und Saturn im 8. Haus des Stirb und Werde, eine sehr (zu?) starke Konzentration der Persönlichkeitskräfte. Pluto, der eine analoge Bedeutung zu diesem Thema hat, ist der höchststehende Planet, 5 Grad vor dem MC. Drei Planeten stehen an Zeichengrenzen (Jupiter, Merkur, Mars) und zeigen eine gewisse Durchlässigkeit für das Transzendentale. Manche Astrologen sind der Meinung, solche Planeten an der Grenze sind nicht richtig in die Welt hinein „geboren“.

Das Thema „Tod“ ist also schon ziemlich präsent, woraus ich nicht schließen würde, dass er früh kommen muss. Sie hat sich jedoch wahrscheinlich schon früh und intensiv damit auseinandergesetzt.

Zusammenfassend denke ich, dass im Leben nichts wirklich so festgefügt ist, dass es nicht durch eine Entscheidung oder Handlung in seinen Auswirkungen geändert werden könnte. Von daher stelle ich es mir schwierig bis unmöglich vor, den genauen Todeszeitpunkt astrologisch feststellen zu können (sowohl westlich als auch indisch). Wir können aber sicherlich feststellen, wann schwierige Zeiten kommen, und uns dann entsprechend darauf einstellen.

Grüße
Birgit


Hallo Birgit,

danke Dir für Deine ausführlichen Zeilen.

Es ist Wahnsinn, was Du da sehen kannst. Fatima hatte von Geburt an Mukoviszidose, sie war das vierte Kind, zwei Mädchen sind schon vor ihr gestorben im Babyalter.

Sie war als Kind oft im Krankenhaus und sehr oft dachte die Familie, dass sie das Erwachsenenalter nicht erreichen würde.

Aber sie hat das Leben geliebt und soweit es ging, genossen. Sie ist am 19.06.2001 um 21.00 Uhr in Las Palmas verstorben.

Sie war vorher einige Wochen im Krankenhaus und hatte dann Nierenprobleme.

Auch die Geschichte ihres Todes ist etwas „mysthisch“, weil sie schon das Wochenende vorher beinahe gegangen wäre, aber sie hat wie ein Wunder noch überlebt, bis ihr Bruder kam, damit sie ihn nochmal sehen konnte. Obwohl sie kaum bei Bewußtsein war, hat sie ihn noch erkannt, er hat es mir erzählt, als sie seine Hand gehalten hat.

Ja, die junge Frau hat sich viel mit dem Thema Tod auseinandergesetzt, sie war ja oft im Krankenhaus und konfrontiert mit dem Thema.

Ich denke auch, sie hat sich dieses Leben vielleicht so ausgesucht, um diese Erfahrung zu machen, als Kind wollte sie immer Ärztin werden.

Als ich mit Astrologie begann, vor ca. 6 Jahren, hab ich in ihrem westlichen Horoskop die 3 Planeten in 8 entdeckt und damals schon gedacht, dass das vielleicht etwas mit der Krankheit zutun haben könnte.?

Vielen Dank nochmal für Deine Ausführungen und auch an Volker.

Liebe Grüsse
Rene


Hallo Rene,

ich will dir gerne erklären, wie ich auf Mukoviszidose gekommen bin. Dabei habe ich nur mit dem indischen Horoskop gearbeitet, aus dem westlichen hätte ich das nie und nimmer herausgefunden.

Zunächst zeigt mir die bedenkliche Situation des AC-Herrschers Jupiter im 6. Haus und als zusätzlicher Signifikator für Krankheit (der sog. Gnatikaraka), dass sie sich grundsätzlich mit Krankheit und schwer zu überwindenden Problemen auseinandersetzen muss. Die beiden Balarishta-Yoga zeigen schon bei Geburt eine gewisse Lebensgefahr, aber ich denke, die starke Sonne und der aufsteigende Mondknoten in 11 zeigen ihren sehr starken Überlebenswillen.
Wenn Probleme von Geburt an bestehen (Balarishta Yoga, schwieriger AC-Herrscher, AC selbst verletzt von Mars), dann ist der Gedanke an eine von Geburt an schwierige Krankheit nicht weit.

Bei ihrer Geburt lief ein Merkur/Jupiter/Mond-Dasha (eine indische Art von Progressionen). Merkur ist der Planet, der klassischerweise mit dem Atmungssystem zu tun hat. Er ist hier zwar stark in Jungfrau im 10. Haus, ABER er ist ein Maraka (ein „toderzeugender“ Planet) und er wird verletzt von Mars. Mars ist ein feuriger Pitta-Planet und führte mich zur Entzündung, Merkur zur Lunge.

Im Ayurveda kennt man die drei sog. Dosha: Vata (Äther-Luft), Pitta (Feuer) und Kapha (Wasser), denen auch die Planeten zugeordnet werden können.

Jupiter ist ein Kapha-Planet und hängt bei ihr ebenfalls sogar doppelt mit Krankheit zusammen. Zusätzlich aspektiert er auch noch Merkur und Mars im 10. Haus. Übermäßiges Kapha im Körper führt u.a. zu übermäßiger Verschleimung. Mond schließlich ist verletzt durch das Balarishta-Yoga, und die Tatsache, dass er bei Geburt „aktiviert“ war zeigt an, dass die Beschwerden (und eine mögliche Lebensgefahr) schon von Geburt an bestanden.

Meine Kombination führte dann mit einer großen Portion Intuition zur Mukoviszidose. Zwei Brüder, mit denen ich in meiner Kindheit gespielt hatte, waren ebenfalls daran gestorben, der eine mit 20 und der andere immerhin erst mit 36 Jahren.

Sie ist am letzten Tag des Venus/Saturn/Venus-Dasha im Übergang zum Venus/Saturn/Sonne-Dasha gestorben, das wie ich schon geschrieben hatte, ein halbes Jahr lief und kaum Entlastung brachte. Es hat sie wahrscheinlich zu sehr erschöpft. Am 20.06.2001 begann zwar das Sonne-Antardasha, aber Sonne und Venus besetzen gemeinsam das 9. Haus, ab diesem Tag wäre daher weiterhin keine wesentliche Erleichterung für sie angezeigt gewesen.

In „spiritueller“ Sicht könnte der Umgang mit dieser Krankheit ihr sehr viel vermittelt haben, denn Jupiter und Merkur, die im Rashi zur schweren Krankheit führen, stehen im Navamsha gemeinsam im 9. Haus, Merkur sogar als AC-Herrscher. Dies ist eine sehr schöne und starke Stellung, die spirituelle Tiefe anzeigt, wie auch schon die Löwe-Sonne im Rashi im 9. Haus und Merkur in Jungfrau im 10. Haus – letzteres ein Mahapurusha Yoga als Kennzeichen einer „großen Seele“.

Und auch das westliche Horoskop zeigt ja sehr viel spirituellen Tiefgang, wie ich schon in meinem ersten Beitrag erwähnt habe. Ihr Leiden war für sie sicher nicht umsonst, sondern machte für sie vor allem aus indischer Sicht einen großen und tiefen „Sinn“ (9. Haus!).

Ich bin überzeugt, das Horoskop, egal ob indisch oder westlich, spiegelt unser wahres Wesen wider und die Aufgaben und Ziele, die WIR uns gesetzt haben, die wir hier und jetzt bearbeiten wollen, um sie dann loslassen zu können. Und ich denke, wir haben uns für unser Leben gewisse Fixpunkte festgelegt, um sicher zu gehen, bestimmte Erfahrungen machen zu können. In erster Linie finde ich es daher wichtig, einen Menschen mit seinem Schicksal auszusöhnen, wenn es ihm unabänderlich erscheint, und ihm dann alternative Möglichkeiten der Selbstentfaltung aufzuzeigen (das Schicksal annehmen und dann doch das Optimale im Leben gestalten).

Viele Grüße
Birgit