Ei-Modell

Struktur der Psyche

Das „Ei“-Diagramm der Psychosynthese

Das Modell der psychischen Struktur des Menschen aus der Sicht der Psychosynthese hat die Form eines Eies:

Graphik: API-Bildarchiv

Im tieferen Unbewussten (1) liegt unsere psychische Vergangenheit, die auch verdrängte Komplexe und lang vergessene Erinnerung beinhaltet. Alle unsere fundamentalen Antriebe und „primitiven“ Impulse gehören in diesen Bereich, wie auch die elementaren Körperfunktionen. Die verdrängten Inhalte beherrschen uns in der Regel, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.

Die Ebene des mittleren Unbewussten (2) umfasst alle unsere Kenntnisse, Fähigkeiten und Gemütszustände, die wir willentlich und damit relativ mühelos ins Bewusstseins bringen können.

Aus dem höheren Unbewussten (3) erhalten wir Intuitionen und Inspirationen künstlerischer, philosophischer oder wissenschaftlicher Art. Hier sind die latenten, „höheren″ psychischen Funktionen und spirituellen Energien beheimatet, unsere noch in der Zukunft liegende Entfaltung. Das höhere Unbewusste beinhaltet all das, was wir im Laufe unseres Entwicklungsprozesses werden können.

Das Bewusstseinsfeld (4) repräsentiert jenen Teil unserer Persönlichkeit, dessen wir uns in einem gegebenen Moment unmittelbar bewusst sind: dem ununterbrochen fließenden Strom von Empfindungen, Gedanken, Gefühlen, Wünschen und Impulsen, die wir beobachten, analysieren und beurteilen können.

Das personale Selbst, das Ich (5) ist derjenige, der all die verschiedenen Bewusstseinszustände erlebt. Das Ich erfährt sich als derjenige, der die Gedanken, Emotionen und Empfindungen hat. Unser Ich ist nicht identisch mit diesen wechselnden Bewusstseinsinhalten (den Gedanken, Emotionen, Empfindungen usw.), sondern es erfährt sie.

Das transpersonale oder höhere Selbst (6) steht über dem Bewusstseinsstrom und den körperlichen Zuständen und wird von ihnen nicht berührt. Das persönliche, bewusste Selbst (5) kann als seine Widerspiegelung angesehen werden, als dessen „Projektion“ in den Bereich der Persönlichkeit. Im Ei-Diagramm hat das transpersonale Selbst seinen Platz am höchsten Punkt der Peripherie der Persönlichkeit. Zum Teil taucht es in sie ein, wobei es ins Überbewusste übergeht, zum Teil liegt es außerhalb. Damit soll seine doppelte, sowohl individuelle als auch universelle Natur dargestellt werden.

Die äußere Linie des Ovals im Diagramm soll als „abgrenzend“ und nicht als „trennend“ aufgefasst werden. Sie könnte analog zur Wirkungsweise einer Membrane gesehen werden. Das kollektive Unbewusste (7) ist allen Lebewesen gemeinsam. Wir sind keine isolierten Einzelwesen sondern Teil eines kollektiven Bewusstseinsfeldes, in dem auch alle anderen Lebewesen eine Rolle spielen.

Wer ist das, der all diese Ebenen kennt? Das Selbst. In den frühen Stadien der menschlichen Entwicklung ist das Bewusstsein um das Selbst nicht existent. Für viele von uns ist es mehr oder weniger verworren. Unsere Aufgabe ist, es uns im reinen Zustand als Ich oder personales Selbst bewusst zu machen. Mit der schrittweisen Verstärkung der Bewusstheit findet zugleich deren Erweiterung statt. Diese Entwicklung gipfelt im transpersonalen Selbst.

Lesetipp:
Ulla Pfluger-Heist: Von Ei und Stern, von Ich und Selbst – Gedanken zum Strukturmodell der Psychosynthese