05 – Mrigashira

„Kopf eines Hirsches (Rehs), einer Antilope“
Gottheit: Soma
Fixstern: Meissa (Heka), Khad Prior und Khad Posterior im Sternbild Orion
Shakti: Die Fähigkeit, Erfüllung zu geben
Obere Ebene: Ausdehnung
Untere Ebene: Weben
Ergebnis: Die Welt angenehm und erfreulich machen

Soma – das ist einerseits die vedische Bezeichnung der Mondgottheit („Chandra“) und außerdem ein rituelles Getränk, das von Menschen und Göttern gleichermaßen „getrunken“ wurde. Dieser Trank, dessen Rezeptur heute unbekannt ist, soll Menschen und Göttern außergewöhnliche Fähigkeiten verliehen haben. Menschen erhielten durch die offenbar berauschende Wirkung Zugang zur (Bewusstseins-) Ebene der Götter. Außerdem konnte er vor Krankheit bewahren bzw. sie heilen, und soll sogar Unsterblichkeit, zumindest eine lange Lebensdauer verliehen haben.

Soma gilt u.a. als Gott der Fruchtbarkeit und der Unsterblichkeit. Die Menschen waren schon immer auf der Suche nach dem Rezept, das sie unsterblich machen kann. Auch heute noch suchen Wissenschaftler nach dem genetischen Faktor, der uns altern lässt und trachten danach, diesen Mechanismus des menschlichen Körpers zu verändern. Der Mensch ist „auf der Jagd“ nach seiner Unsterblichkeit.

Das Stichwort „Jagd“ führt uns zum Sternbild Orion, dessen Fixsterne Lambda und Phi Orionis (Meissa bzw. Heka, Khad Prior und Posterior) das Nakshatra Mrigashira bilden. Orion war in der griechischen Mythologie ein riesiger und mächtiger Jäger. Die Germanen sahen in diesem Sternbild sogar drei Jäger. Orion war gemäß der mythischen Sagen sehr leidenschaftlich und bei den Göttinnen sehr beliebt, rief unter ihnen jedoch auch Eifersucht hervor. In allen Erzählungen kommt Orion schlussendlich zu Tode, meist durch Göttinnenhand oder auf deren Veranlassung hin, und wurde als Sternbild an den Himmel versetzt.

Für die alten Ägypter war das Sternbild Orion himmlisches Abbild ihres Gottes Osiris. Der Mythos erzählt, dass Osiris von seinem Bruder Seth getötet und zerstückelt wurde. Seine Gattin (und Zwillingsschwester) Isis konnte jedoch alle Teile seines Leibes, die Seth in alle Winde verstreute, zusammentragen und Osiris wieder zu neuem Leben erwecken. Deshalb gelten Osiris wie auch der vedische Soma als Gott der Fruchtbarkeit. Bernadette Brady schildert in ihrem „Book of Fixed Stars“ ebenfalls, dass Orion für die alten Ägypter nicht nur ein Symbol für Gott war, sondern „Orion war Gott!“. Übertragen auf die indische Mythologie könnte man Orion mit dem Schöpfergott Brahma gleichsetzen, der auf der Jagd nach seiner eigenen Schöpfung ist. Gott hat die Menschen erschaffen und ist nun auf der Jagd nach seiner Schöpfung, nach uns Menschen. Doch wir „verkleiden“ uns und tun so, als würden wir unseren Schöpfer nicht erkennen. Oder Gott verbirgt sich vor uns. Dieses Versteckspiel zwischen dem Schöpfergott und seiner Schöpfung ist eine wesentliche Vorstellung der Verbindung Gottes mit den Menschen.

Mrigashira sucht in der Schöpfung Erfüllung und Befriedigung, und für gewöhnlich werden diese auch gefunden. Mrigashira taucht tief in die Schöpfung ein, weil es intensive karmische Bande webt in der Suche nach Erfüllung seiner Wünsche und Begierden, die auf die schönen und angenehmen Dinge des Lebens gerichtet sind. Die Motivation dahinter ist, die Schöpfung in all ihren Aspekten zu erfahren und zu genießen.

Foto Wikipedia

Johannes Heesters und Kirk Douglas wurden beide mit dem Mond im Nakshatra Mrigashira geboren. Heesters erreichte ein ungewöhnlich hohes Alter (108 Jahre), und Kirk Douglas (Jahrgang 1916) ist auf dem besten Wege, es ihm gleich zu tun. Soma, der Gott der Unsterblichkeit, ist ihnen ganz offensichtlich sehr wohlgesonnen.