Häuser

Die zwölf astrologischen Häuser bilden ein irdisches Bezugssystem. Sie symbolisieren zwölf grundsätzliche Lebensbereiche des Menschen, oder auch Betätigungsfelder, in denen wir etwas erleben und leisten können. Hier können wir etwas über die Einwirkung des Milieus erfahren, über die Prägung durch die Erziehung in unserer Kindheit und Jugend, über erlernte Verhaltensmuster und Konditionierungen.

Das Häusersystem ist eine schematische Darstellung der Drehung der Erde um die eigene Achse innerhalb von 24 Stunden. Der Kreis wird durch eine Horizontebene in zwei Hälften geteilt. Die obere Hälfte entspricht der Taghälfte, da sich hier tagsüber die Sonne befindet. Die untere Hälfte entspricht der Nachthälfte, die von der Sonne nachts durchlaufen wird.

Durch eine Senkrechte wird das Häusersystem ebenfalls in zwei Hälften geteilt: in der linken Hälfte ist Osten, wo die Sonne morgens aufgeht, rechts ist Westen, wo die Sonne abends untergeht. Oben liegt Süden, wenn die Sonne mittags im Zenit am höchsten steht (MC), und unten ist schließlich Norden, der tiefste Punkt (Nadir) um Mitternacht.

Jeden Morgen geht die Sonne im Osten am AC scheinbar (d.h. von der Erde aus gesehen) auf, durchläuft tagsüber den oberen Teil der Horoskops, geht im Westen am DC unter und durchläuft nachts den unteren Teil des Häusersystems.

Es entsteht ein Fadenkreuz, unsere Orientierung im Raum. AC (= Aszendent), DC (= Deszendent), IC (= Imum Coeli) und MC (= Medium Coeli) werden Kardinalpunkte genannt. Sie haben eine analoge Entsprechung zu den Kardinalzeichen Widder, Krebs, Waage und Steinbock, mit denen jeweils eine neue Jahreszeit beginnt. Die Achse AC-DC nennen wir Horizontachse, die vertikale Achse IC-MC Meridianachse.

Die Kardinalpunkte im Häusersystem

Hier stehen sich ICH und DU gegenüber, sie begegnen sich. Daher der Ausdruck „Begegnungsachse“.

Hier stehen sich Kollektiv und Individuum gegenüber. Die Meridianachse beschreibt die Entwicklung vom Kollektiv-Menschen hin zum Individuum, daher der Ausdruck „Individuations- oder Wachstumsachse“.

Die vier Horoskophälften

Die linke Horoskophälfte = die ICH-Seite

In diesem Lebensraum geht es um die Ich-Erhaltung und die Selbst-Manifestation. Das Ich ist steuerndes und regelndes Prinzip. Subjektivität, alles wird auf das eigene Ich bezogen, die Welt an sich selbst gemessen, bewertet und beurteilt.

Planeten werden hier durch das ICH gesteuert, sie sind brauchbare Werkzeuge für die Ich-Erfahrung und Ich-Entwicklung. Sie verfolgen hier Eigeninteressen und entwickeln evtl. egoistische oder egozentrische Züge.

Die rechte Horoskophälfte = die DU-Seite

Der Bereich des DU, des anderen Menschen, der menschlichen Gesellschaft. Hier bezieht sich alles auf die Umwelt, auf alles, was außerhalb meiner selbst liegt. Hier begegnen wir dem DU, wir lernen das DU, die Welt und ihre Struktur kennen und verstehen, wir setzen uns mit ihr auseinander.

Mit Planeten auf der DU-Seite komme ich in Kontakt mit der Umwelt. Daraus können sich Freude und Leid, Pflichten etc. ergeben. Hier erkennen wir unsere Reaktionsweise auf die Forderungen des DU, die Art der Beeinflussung durch das DU bzw. wie ich selbst auf das DU einwirke. Planeten sind hier prinzipiell auf das DU eingestellt, sie sind DU-gesteuert.

Die untere Horoskophälfte = der unbewusste Bereich

Hier wirken unbewusste Trieb- und Instinktmechanismen, die ohne unsere bewusste Steuerung funktionieren, d.h. ohne unser eigenes Zutun. Alle Erfahrungen und Erlebnisse werden aufgespeichert und bilden ein eigenständiges System psychologischer Mechanismen und Antriebe, die unser Handeln beeinflussen (Konditionierungen und Automatismen).

Planeten in dieser Horoskophälfte reagieren instinkthaft, triebmäßig oder reflexhaft. Wir erleben uns hier durch unser Tun.

Die obere Horoskophälfte = der bewusste Bereich

Hier ist bewusstes Erleben, Sehen und Wahrnehmen möglich, frei von unbewussten Reflexen. Ich kann mich bewusst mit der Gesellschaft und jedem einzelnen in Beziehung setzen. Das Ich ist sich hier seiner selbst bewusst, kann bewusst in der Welt wirksam werden und sich selbstbewusst präsentieren.

Planeten können hier bewusst funktionieren. Ich kann mit ihnen bewusst planen, nachdenken, mit Bedacht und Voraussicht handeln. Hier neige ich auch zum Theoretisieren.

Die vier Quadranten

Die Quadranten entsprechen einer Vierteilung des Häusersystems. Der 1. Quadrant beginnt am AC, der 2. Quadrant am IC, der 3. Quadrant am DC und der 4. Quadrant am MC.

I. Quadrant

TRIEB; unbewusste ICH-Seite; ICH-Beharrung, Erbanlagen, Konstitution
Sicherheits- und Schutzmaßnahmen zur instinktiven Selbstverteidigung. Hauptmotivierung ist die Selbst-Erhaltung. Lernen aus Erfahrung.

II. Quadrant

INSTINKT; unbewusste DU-Seite; Umwelt-Beherrschung, Aktions-Reaktions-Mechanismus, Konditionierung
Das Unbewusste, das vom DU bestimmt wird. Wir reagieren unwillkürlich, reflexhaft und instinktiv auf das DU. Das Kontaktverhalten ist Resultat der Erziehung bzw. Konditionierung. Lernen durch Erfahrung in Berührung mit dem DU.

III. Quadrant

DENKEN; bewusste DU-Seite; Umwelt-Erkenntnis, Lebenseinstellung, bewusste Anpassung
Das DU wird bewusst wahrgenommen, ich muss mich mit ihm auseinandersetzen, ihm gerecht werden. Voraussetzung dafür ist Nachdenken und bewusste Anpassung. Man sucht nach Formen des Zusammenlebens. Selbstbewusstes Wirken nach außen. Sich im Kontakt bewusst erleben.

IV. Quadrant

SEIN; bewusste ICH-Seite; ICH-Wahrnehmung, Selbstverwirklichung, bewusste ICH-Gestaltung
Ich weiß, wer und was ich bin und wo ich stehe. Das selbstgeformte Ich, das bewusst Gewordene, im Leben Herausgearbeitete. Bewusste Wahrnehmung alles dessen, was auf mich zukommt, und dies mit mir selbst in Beziehung setzen. Theoretisches Erkennen und bewusstes Verarbeiten, frei von Trieb- und Instinktreaktionen. Geistige Qualitäten. Selbstbetrachtung.

Die zwölf Häuser

1. Haus

Kardinales Feuer-Haus – ICH unbewusst
Bauart, Grundanlagen, Figur, äußeres Wesen, Image, Zielvorstellungen

Hier geht es um meine Erscheinung, die physische Gestalt, die den anderen gegenübertritt und die als solche respektiert und wahrgenommen werden soll. Ich bemühe mich hier um ein bestimmtes Image, möchte einen möglichst guten Eindruck machen und wechsle entsprechend „Masken“. Hier versuche ich eine Rolle zu spielen, von der ich hoffe, dass sie bei der Umwelt ankommt.

Das AC-Zeichen kennzeichnet die Wesensart, zu der ich mich im Laufe meines Lebens hin entwickeln soll.

2. Haus

Fixes Erd-Haus – ICH unbewusst
Grundausrüstung, Talente, Mittel, Energie-Haushalt, Vorräte. Geiz. Lebenssubstanz. Vital-Fundus

Hier geht es um die Lebenserhaltung, daher sorge ich für Nahrung, Sicherheit und Vorrat. Wir eignen uns Substanzen, Talente und Fähigkeiten an zur nutzbringenden Anwendung im Leben. Das Eigenwertgefühl steigt mit dem Besitz, z.B. Dinge, Begabungen, Können, auch Menschen besitzen. Hierdurch steigt meine innere Sicherheit. Aufbau von Schutzmauern, um mich und meinen Besitz zu schützen und abzusichern.

3. Haus

Veränderliches Luft-Haus – ICH unbewusst
Natürliche Kontakte, von außen gegeben, nachbarlich-brüderlich; kollektive Denknormen

In diesem Bereich geht es um unsere Beziehungen zu Gleichaltrigen, zu Schulkameraden, Geschwistern, Verwandten, Nachbarn usw. Der nächste Umkreis, dessen geistige Einstellung und Denkweise mich prägt (kollektives Denken, was „man“ denkt). Anpassung. Beeinflussung und Formung durch das kollektive Denken.

4. Haus

Kardinales Wasser-Haus – DU unbewusst
Herkunft, Tradition, Haus und Herd, Familie, Kollektiv-Zugehörigkeit

Unser Ursprung, z.B. unser Elternhaus. Das „ursprüngliche Nest“ als Vorstellung. Hier sind wir aufgewachsen, wurde unser Charakter vorgeformt. Es herrschen gemüthafte Familienbande, Häuslichkeit, Privatleben. Gefühle und Empfindungen, die ich zu meinem Kollektiv habe, die Qualität meiner Beziehung zum Kollektiv. Gefühle der Zugehörigkeit oder auch des Nicht-Dazugehörens (je nach Planet). Kollektiv-Abhängigkeit. Das Kollektiv gibt Sicherheit und Geborgenheit, dafür muss ich mich aber auch an seine Regeln und Gebote halten.

5. Haus

Fixes Feuer-Haus – DU unbewusst
Art des Tuns, Auftreten, Imponier-Gehabe, offensive Kontaktnahme; Erotik, Experimente und Resultate, Ausbeutung

Selbsterprobung im engen Kontakt mit dem DU (z.B. in Liebe und Erotik). Auf Eroberung ausgehen, Unternehmungslust, Experimentierfreude. Eigene Erfahrungen sammeln, alles selbst erleben, erfahren, ausprobieren und riskieren. Das DU soll auf mich aufmerksam werden, ich will Eindruck machen und mich im Kontakt mit dem DU erleben. Ich entwickle meine eigene „Masche“, um beim anderen anzukommen.

6. Haus

Veränderliches Erd-Haus – DU unbewusst
Existenzkampf, Arbeitsweise, Leistungsfähigkeit. Psychosomatische Prozesse. Niederlagen

Die materielle Existenz. Der Beruf, in dem ich alle meine Fähigkeiten optimal einsetzen kann. Gelingt mir dies nicht, erleide ich Niederlagen, fühle ich Frustration, werde evtl. krank. Ich muss mich den Notwendigkeiten des Lebens unterwerfen, muss mich bewähren, muss meine Existenzfähigkeit unter Beweis stellen, muss mich anpassen, Fehler wiedergutmachen, Konsequenzen tragen usw. Hier soll ich dem DU dienen, ihm behilflich sein, etwas für die anderen tun.

7. Haus

Kardinales Luft-Haus – DU bewusst
Legale Bindungen, Bindungsstreben, soziale Absicherung, Kontrakt-Verhältnisse. ICH-Verlust

Hier geht es um die bewusste Beziehung zum DU. ICH stehe dem DU gegenüber und erkenne, dass meine eigenen Kräfte zur Lebensbemeisterung nicht ausreichen. Daher will ich mich an das einzelne DU binden, es zur Mitarbeit bewegen, mich seiner versichern, z.B. durch Verträge und Abmachungen. Nach Partnerschaft streben und lernen, sich in diese einzuordnen. Das DU weist mich auf evtl. Mängel hin, die ein harmonisches Zusammenleben beeinträchtigen und zu Reibungen führen können. Ich arbeite dann am eigenen ICH. Ich bin abhängig vom DU durch das Eingehen von Verpflichtungen, ich verliere mich evtl. sogar an das DU.

8. Haus

Fixes Wasser-Haus – DU bewusst
Stirb- und Werdeprozesse, Gesetz von Geben und Nehmen, Pflichten gegenüber dem DU

Hier geht es um die Anpassung an die Wirklichkeit der etablierten Gesellschaft. Oft bedeutet dies den Tod alter Auffassungen und hinderlicher Einzelbindungen. Das kleine Ich muss über Stirb- und Werdeprozesse verändert werden, um dem Selbst Platz zu machen. Erneuerung. Aufstieg zur Individualität, die der Gesellschaft bewusst gibt, was diese fordert, z.B. Pflichten erfüllen. Gegenleistungen der Gesellschaft sind dann z.B. Erbschaften, Legate, Unterstützungen, Ämter und Ehrungen. Dem Kaiser geben, was des Kaisers ist.

9. Haus

Veränderliches Feuer-Haus – DU bewusst
Art des Denkens, Lebensauffassung, Gerechtigkeitssinn, Wertbewusstsein, Weltanschauung. Besserwisserei.

In diesem Bereich geht es um das autonome, unabhängige, eigene Denken. Ich soll hier eigene Lösungen für Fragen des Lebens finden, den Lebenssinn erfassen. Dazu muss ich angestammte Grenzen überschreiten, in die Ferne schweifen, andere Länder kennenlernen. Philosophie, Weltanschauung, Pädagogik, weltweite Beziehungen. Ich versuche hier, anderen Ziel und Richtung zu geben, sie zur Mitarbeit an Aufgaben für die Gemeinschaft oder für ideelle Zwecke zu begeistern.

10. Haus

Kardinales Erd-Haus – ICH bewusst
Berufung, Stellung in der Gemeinschaft, Selbstverwirklichung, Karriere-Ziel, Autorität oder Anmaßung

Hier möchte ich erkannt sein als das, was ich bin. Ich will mich als freies Individuum bewegen können, meinen Platz in der Welt haben. Es geht um die soziale Stellung, um Berufung, evtl. auch Machtstreben, um echte oder falsche Autorität, um meine Führungsbefähigung. Es geht um die individuelle Entwicklung, die Individualisierung. Eine mögliche leitende bzw. führende Stellung sollte meinem Reifegrad und meiner Verantwortungsbereitschaft entsprechen, d.h. ich sollte nicht zu einfache aber auch nicht zu schwere Aufgaben übernehmen.

11. Haus

Fixes Luft-Haus – ICH bewusst
Wahlverwandtschaften, frei gewählte Beziehungen, Freunde, Bild des Menschen, Moralist

Hier möchte ich Beziehungen frei wählen können, ohne von Wünschen oder Begierden getrieben zu sein. Ich interessiere mich für den Menschen an sich. Liebe ohne egoistische Motive. In diesem Bereich entsteht ein ideales Menschenbild am Modell erlebter Freundschaft. Evtl. auch wirklichkeitsfremde Spekulationen. Ich habe hier ganz bestimmte (Moral-) Vorstellungen, wie ein Mensch/Freund sein sollte. Suche nach passenden Menschen, die auf gleichem oder vielleicht höherem Niveau stehen. Gleichgesinnte. Die „richtige“ Gesellschaft. Gruppen.

12. Haus

Veränderliches Wasser-Haus – ICH bewusst
Verinnerlichung, der nicht-weltliche Mensch, Isolation, DU-Verlust

Hier findet sich alles, was mich von den anderen absondert, was mich zu mir selbst zurückführt zur Einordnung in höhere geistige Zusammenhänge. Hier herrscht Stille und auch Einsamkeit. Es geht um die Erkenntnis des Seins, die geistige Existenz, die Rückbindung an Gott. Verlorengegangene Kontakte und Beziehungen als Verlust zu sehen erzeugt hier schmerzhafte Isolation.

Literatur:
Bruno und Louise Huber: Die astrologischen Häuser.